Der Kuckuck: Nicht von schlechten ElternMan sagt dem Vogel Kuckuck oft nach, dass er sich das Leben ziemlich leicht macht, weil er seine Eier in fremde Nester legt. So einfach ist die Angelegenheit allerdings nicht: Während andere Vögel innerhalb weniger Tage ihre Nester bauen und sich dann intensiv der Lege- und Brutphase widmen, ist der Kuckuck ständig unterwegs, weil er gleich mehrere geeignete Wirtsvögel für seine Eier ausfindig machen muss.
Das Kuckuck-Weibchen kann ihre Eier nicht in jedes beliebige Nest legen, sondern muss jene Wirtsvogelart auswählen, von der sie selbst als Küken aufgezogen wurde. Die Farbe der Eierschale ist im Erbmaterial festverankert und auf den jeweiligen Wirtsvogel abgestimmt. Wenn sich das Kuckucksei farblich sehr stark vom Gelege des Wirtsvogels unterscheidet, besteht die Gefahr, dass die Stiefeltern in Spe misstrauisch werden. In diesem Fall geben sie das ganze Gelege auf oder befördern das fremde Ei einfach aus dem Nest, und die Mühe des Kuckucks war umsonst.
Insgesamt kann ein Kuckuck-Weibchen über 20 Eier legen. Für jedes dieser Eier muss sie ein anderes Nest finden. Für diese Suchaktion steht ihr nur ein begrenztes Zeitfenster zur Verfügung, da es nicht nur darauf ankommt, die geeignet Wirtsvogelart aufzuspüren, sondern auch den Zeitraum des Nestbaus und des Legens abzupassen. Das Kuckuck-Weibchen muss die ausgewählten Vögel dafür über längere Zeit beobachten, damit sie im Idealfall gleichzeitig mit der Ziehmutter ein reifes Ei im Eileiter hat.
Wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, läuft alles ganz schnell ab: Das Kuckuck-Weibchen holt eines der Wirtseier aus dem Nest und legt ihr eigenes hinein. Manchmal unterstützt das Kuckuck-Männchen das Weibchen, indem er die Stiefeltern ablenkt.
Die meisten Wirte des Kuckucks sind wesentlich kleiner als er selbst. Aus diesem Grund legt der Kuckuck verglichen mit anderen Vögeln seiner Größe sehr kleine Eier.
Weil die Kuckuck-Küken größer als die Küken der Wirtsvögel sind und dementsprechend mehr Nahrung benötigen, können sie das Futter nicht mit den Stiefgeschwistern teilen. Sobald das Kuckuck-Junge geschlüpft ist, reagiert es deshalb reflexartig auf Berührungen an seinem Rücken und seinen Seiten, und befördert alle anderen aus dem Nest. |
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